Immer ein Weg - Marion Bleckenwegner

Man muss sich von sich selber nicht alles gefallen lassen. (Viktor E. Frankl)

Der Mensch ist ein freies, entscheidendes Wesen.
Obwohl er bedingt ist von körperlichen, charakterlichen, sozialen, gesellschaftlichen Einschränkungen, kann er doch zu diesen Stellung beziehen. Er kann entscheiden, wie er sich trotz dieser Gegebenheiten innerhalb der ihm verbleibenden Gestaltungsmöglichkeiten verhält. Und letztere sind meist größer als man gemeinhin annehmen möchte. Es liegt in jedermanns und jederfraus Entscheidung, sich den Umständen und Einschränkungen hadernd und klagend auszuliefern oder diesen zum Trotz das eigene Leben erfüllend und lebenswert zu gestalten. Letztlich ist daher jeder selbst dafür verantwortlich, was er aus den Gegebenheiten macht.
Und jeder hat in jedem Augenblick seines Lebens die Chance zu entscheiden, es von nun an anders zu tun und jemand anderes zu sein.

 

Türen zum Glück

Schließt sich uns eine Tür zum Glück, öffnet sich eine andere. Doch wir schauen oft so lange auf die geschlossene Tür, dass wir die geöffnete übersehen.

(Helen Adams Keller)

 

Buchvorstellung: Das Leben spricht zu mir

Cover klein

Leyla Moon hat ihr neues Buch veröffentlicht: Das Leben spricht zu mir - Ein Mut-mach-Buch.
Seit einem Monat ist es auf dem Markt: das neue Werk von Leyla Moon. Leyla beschreibt darin anhand ihrer eigenen Erfahrungen und Umwege ihre Sicht auf Krisen- und Lebensbewältigung, ihren persönlichen Weg zum Glück. Denn Glück hängt ihrer Meinung nach weder von äußeren Umständen noch von der Erfüllung aller Wünsche ab, sondern von der Art die Welt zu sehen - voller Vertrauen, Akzeptanz und Liebe die Hoffnung und den Mut aufzubringen, das eigene Leben zu gestalten.

"Was ist das Leben eigentlich? Und gibt es so etwas wie den Sinn des Lebens? Wie soll man sich den Herausforderungen des Lebens stellen, um glücklich zu werden? Und was heißt, man kann immer entscheiden und sein Leben gestalten? EINE mögliche Antwort. EINE mögliche Sichtweise."

[Leyla Moon. (2015). Das Leben spricht zu mir - Ein Mut-mach-Buch. Neckenmarkt: Novum Verlag.]

Herzensentscheidung

Ein guter Freund von mir (nennen wir ihn Harry) stand eines Tages zwischen zwei Freundinnen, die er beide liebte, begehrte und bewunderte. Zwei waren jedoch eine zuviel. Verwirrt von widersprüchlichen Emotionen und unfähig, eine Entscheidung zu treffen, erinnerte er sich an den Rat, den Benjamin Franklin einst einem Neffen in einer ähnlichen Situation gegeben hatte:

8.April 1779
Wenn du zweifelst, notiere alle Gründe, pro und contra, in zwei nebeneinanderliegenden Spalten auf einem Blatt Papier, und nachdem du sie zwei oder drei Tage bedacht hast, führe eine Operation aus, die manchen algebraischen Aufgaben ähnelt; prüfe, welche Gründe oder Motive in der rechten Spalte denen in der anderen an Wichtigkeit entsprechen - eins zu eins, eins zu zwei, zwei zu drei oder wie auch immer -, und wenn du alle Gleichwertigkeiten auf beiden Seiten gestrichen hast, kannst du sehen, wo noch ein Rest bleibt. ... Dieser Art moralischer Algebra habe ich mich häufig in wichtigen und zweifelhaften Angelegenheiten bedient, und obwohl sie nicht mathematisch exakt sein kann, hat sie sich für mich häufig als außerordentlich nützlich erwiesen. Nebenbei bemerkt, wenn du sie nicht lernst, wirst du dich, fürchte ich, nie verheiraten.
Dein dich liebender Onkel
B. Franklin

Harry war sehr erleichtert, dass eine logische Formel existierte, um seinen Konflikt zu lösen. Also nahm er sich die Zeit, schrieb alle wichtigen Gründe auf, die ihm einfielen, gewichtete sie sorgfältig und begann zu rechnen. Als er das Ergebnis sah, geschah etwas Unerwartetes. Eine innere Stimme sagte ihm, es sei nicht richtig. Da erkannte Harry zum ersten Mal, dass sein Herz bereits entschieden hatte - gegen die Kalkulation und zugunsten des anderen Mädchens. Die Berechnung half ihm bei der Lösung, aber nicht durch ihre Logik. Vielmehr brachte sie ihm seine unbewusste Entscheidung zu Bewusstsein, deren Gründe ihm selber unklar waren.

[Gerd Gigerenzer (2008). Bauchentscheidungen. Die Intelligenz des Unbewussten und die Macht der Intuition. (11.Auflage). München: Wilhelm Goldmann Verlag. S.12-13]

Übernehmen Sie die Verantwortung

[...] Zunächst geht es aber darum zu erkennen, dass diese Fähigkeit, sein Leben selbst in der Hand zu haben, nicht mit besonderen Talenten zu tun hat, geschweige denn mit der Vererbung besonderer innerer Stärken.
Es geht vielmehr um die Einsicht, dass in einer problematischen Situation kein anderer Mensch dafür zuständig oder verantwortlich ist, dass es einem schlecht geht - auch wenn es so viel einfacher scheint, diese Verantwortung abzugeben. Es sind also weder Ihr Chef noch Ihre Kollegen, Ihr Partner oder Ihre Eltern, die "schuld" an Ihrer aktuellen Situation sind. Auch sind diese Menschen nicht dafür zuständig, Sie wieder ins Lot zu bringen. Das können nur Sie selbst. Verantwortung abzugeben bringt Sie hier nicht weiter.
Angesichts eines Problems, das sich, wie Sie sehen werden, letztendlich meist als Geschenk erweist, sind nur zwei Dinge gefragt: Eigenverantwortung und der Mut, eingefahrene (Denk-)Pfade zu verlassen. Das kostet meist Überwindung und viel Kraft. Doch Sie werden eines sehen: Sobald Sie angesichts eines Problem-Geschenks eine Entscheidung treffen, deren letztendliche Konsequenzen Sie im Moment noch nicht übersehen können - Sie kündigen aus freien Stücken, Sie ziehen um, Sie verlassen Ihren Partner, Sie lassen Menschen, die Ihnen nicht guttun, in Frieden und Respekt ziehen -, so werden Ihnen gerade solche Entscheidungen die wundervollsten Türen öffnen und die größten Glücksgefühle bescheren. Alles liegt in Ihrer Hand, aber Sie müssen selbst aktiv werden - und mutig sein.

[Karl Rabeder (2013). Das Leben macht Geschenke, die es als Probleme verpackt. (4.Auflage). München: Gräfe und Unzer Verlag GmbH. S. 47-48]

Selbstüberschreitend denken

Frau: "Mein Mann und ich erwägen, eine Mutter mit Kind aus dem Unruhegebiet Tschetschenien bei uns zu Hause aufzunehmen."
Nachbarin: "Ja und was hätten Sie davon?"
Frau: "Wir denken, die Mutter und das Kind hätten etwas davon..."

[Elisabeth Lukas (2011). Lebensstil und Wohlbefinden. Seelisch gesund bleiben - Anregungen aus der Logotherapie. (3., erweiterte Auflage). München: Profil Verlag. S. 65]

 

Der Schmetterling

Auf seinem Spaziergang entdeckte ein Mann in den Zweigen eines Baumes einen Kokon. Neugierig trat er näher und sah, dass sich ein kleines Loch aufgetan hatte, eine winzige Öffnung. "Welch ein Glück", dachte er bei sich, "bei der Geburt eines Schmetterlings dabei sein zu können." Er vergaß die Zeit und alles um sich, während er dem fasznierenden Schauspiel der Natur folgte. Stunde um Stunde mühte sich der kleine Schmetterling ab, aus dem Kokon zu schlüpfen, aber es schien nicht zu gelingen. Die Öffnung hatte sich trotz der übermäßigen Anstrengungen kaum vergrößert, obwohl dieser immer wieder einen neuen Versuch unternahm. Und dann schien es, als hätte der Schmetterling aufgegeben. Nichts rührte sich mehr. Der Mann hatte den Eindruck, dass der kleine Schmetterling alles versucht hatte, was in seinen Kräften lag und nun völlig verausgabt war.
Er tat ihm zutiefst Leid. "Das arme Ding", dachte der Mann bei sich, "es ist überfordert, es schafft es nicht!" Also entschied der Mann zu helfen. Er holte sein Taschenmesser heraus und machte ganz vorsichtig einen Schnitt in den Kokon, sodass nun die Öffnung groß genug war, dass der Schmetterling bequem und ohne Anstrengung herausschlüpfen konnte.
Da war er nun endlich, der neugeborene Schmetterling, befreit aus dem engen Kokon. Der Mann fühlte sich glücklich und irgendwie auch stolz, da er ja der Geburtshelfer gewesen war. Doch fiel ihm auf, dass der Körper des Schmetterlings klein und verkrampft war, auch die Flügel waren wenig entwickelt und bewegten sich kaum. Geduldig wartete der Mann darauf, dass der Schmetterling jeden Augenblick seine Flügel ausbreiten und losflattern würde. Doch nichts geschah, solange er auch ausharrte...

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Die Flügel waren zu schwach, um den Körper zu tragen. Der Schmetterling war nicht fähig zu fliegen und würde den Rest seiner Tage mit dem verunstalteten Körper und den wenig entwickelten Flügeln kriechend verbringen müssen.
Was der Mann in seiner wohlmeinenden Hilfsbereitschaft nicht verstanden und bedacht hatte, war die Sinnhaftigkeit der Vorkehrungen der Natur. Die Anstrengung, durch das kleine Loch im Kokon zu schlüpfen war notwendig, damit sich die Körperflüssigkeit des Schmetterlings in die Flügel verteilte und diese kräftig genug würden, den Körper im Flug zu halten. Das war der Weg zu Wachstum und Entwicklung.
Ohne Beschwernisse und Anstrengungen im Leben können sich niemals jene Kräfte und Fähigkeiten entwickeln, die uns in die Lage versetzen, Begrenzungen zu überwinden und uns zu neuen Höhen emporzuschwingen.

[Kambiz Poostchi (Hrsg.) (2013). Goldene Äpfel. Spiegelbilder des Lebens (5.Auflage). Petersburg: Verlag Via nova. S.128-129]

 

Der Weise und der Tiger

Jeder Novize des Klosters kennt die Geschichte eines weisen Mannes, der eines Tages auf einem Hochplateau spazieren geht. Plötzlich hört er in einiger Entfernung hinter sich einen fauchenden Tiger, der offensichtlich auf ihn zukommt. Um dem Tiger zu entkommen, läuft er, so schnell er kann, rennt aber geradewegs auf einen Abgrund zu. Der Tiger kommt immer näher. In seiner Not drückt sich der Mann an den äußersten Rand und kommt dabei ins Rutschen. Im letzten Moment kann er sich noch an einer Wurzel festhalten. Doch über ihm der Tiger, unter ihm der Abgrund, es gibt kein Entkommen. Alle Fluchtwege sind versperrt. Da erblickt der Mann direkt vor seinen Augen eine Erdbeere...

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Er pflückt sie, nimmt sie in den Mund und murmelt: "Wie köstlich, diese Erdbeere!" Das nenne ich im Augenblick leben! Auf den ersten Blick erscheint den meisten von uns das Verhalten des Mannes wohl befremdlich. Hat er in dieser Situation nichts Besseres zu tun, als über köstliche Erdbeeren nachzudenken? Sollte er sich nicht besser überlegen, welchen Lauf sein Schicksal in den nächsten Augenblicken nehmen wird? Sollte er das wirklich überlegen? Was würde es an diesem Moment ändern? Selbst wenn der Mann im nächsten Moment vom Tiger verschlungen wird oder in den Abgrund stürzt, warum soll er sein Leben nicht bis zum letzten Augenblick genießen? Warum sich nicht noch über die Erdbeere freuen?

[Bernhard Moestl (2010). Shaolin. Du musst nicht kämpfen, um zu siegen. Mit der Kraft des Denkens zu Ruhe, Klarheit und innerer Stärke. Augsburg: Verlagsgruppe Weltbild GmbH. S.22-23]

 

Gott fügt alles wunderbar

Ein König hatte einen Minister, der bei jeder passenden und unpassenden Gelegenheit sagte: "Gott fügt alles wunderbar". Nach einiger Zeit hatte der König den Satz so oft gehört, dass er ihn nicht mehr ertragen konnte. Die beiden sind auf der Jagd. Der König schießt einen Hirsch. Minister und König sind hungrig, machen Feuer, grillen den Hirsch, der König beginnt zu essen und schneidet sich in seiner Gier einen Finger ab. Der Minister: "Gott fügt alles wunderbar".
Jetzt reicht es dem König. Wütend entlässt er den Minister aus seinen Diensten und befiehlt ihm, sich fortzuscheren. Er wolle ihn nie wieder sehen. Der Minister geht. Der König, gesättigt vom Hirsch, schläft ein. Wilde Räuber, Anhänger der Göttin Kali, überfallen und  fesseln ihn, wollen ihn ihrer Göttin opfern - verspeisen. Im letzten Moment...

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bemerkt einer der Kali-Anhänger den fehlenden Finger. Die Räuber beratschlagen sich und befinden: "Dieser Mann ist unvollkommen. Ihm fehlt ein Körperteil. Unserer Göttin darf nur Vollkommenes geopfert werden." Sie lassen ihn laufen.
Der König erinnert sich an die Worte des Ministers: "Gott fügt alles wunderbar" und begreift: Genau so ist es. Auch in diesem Fall. Er fühlt sich schuldig, weil er den Minister verbannt hat und läßt ihn suchen. Nach langer Zeit wird dieser gefunden. Der König entschuldigt sich und bittet ihn, wieder in seine Dienste zu treten.
Der Minister antwortet: "Du brauchst dich nicht zu entschuldigen. Ich bin dankbar, dass du mich fortgeschickt hast. Mich hätten die Räuber geopfert. Mir fehlt kein Finger. Gott fügt alles wunderbar." (Ram Dass, 75)

[Elisabeth Lukas (2006). Lehrbuch der Logotherapie (3.Auflage). München: Profil Verlag GmbH. S.264]

 

Eine "Es-war-einmal"-Geschichte

ES WAR EINMAL VOR LANGER, LANGER ZEIT AN EINEM FREMDEN ORT, GANZ WEIT WEG VON HIER ein kleines Mädchen, das hatte einen Traum. Das kleine Mädchen, das einen Traum hatte, hatte auch ein reines Herz, in dem es sehr viel Liebe verborgen hatte. Dieses reine Herz, in dem dieses kleine Mädchen, das einen Traum hatte, sehr viel Liebe verborgen hatte, versuchte das kleine Mädchen vor der Kälte und Grausamkeit der Welt, in der es leben musste, zu schützen. Denn die Welt in der es leben musste, war eine grausame, das ganze Jahr über in Kälte und Dunkelheit gehüllte. Die Dunkelheit, in die sie gehüllt war, verging weder tags noch nachts; und so irrten die Wesen, die in dieser Welt lebten, ziellos umher. Und die Wesen, die umherirrten, sprachen nicht miteinander, weil sie einander nicht sehen konnten und sich deshalb voreinander fürchteten. Und weil sie nicht miteinander sprachen, entstand keine Wärme unter ihnen, denn sie wagten sich nicht in die Nähe, geschweigedenn in die Arme der anderen. Und so blieb es eisig kalt in dieser Welt. Doch das kleine Mädchen mit dem reinen Herzen, in dem Liebe sich verborgen hatte, träumte weiter seinen Traum.
es träumte von einer welt, in der es wesen gab, die einander berührten, die einander in den arm nahmen, die die anderen in ihrer angst trösteten...

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es träumte von einer welt, in der die unter der kälte und grausamkeit ihrer welt leidenden wesen einander wärme spendeten. es träumte davon, wie die wesen anfingen miteinander zu sprechen. wie die wesen bemerkten, dass sie einander gar nicht so fremd waren, wie sie sie immer gedacht hatten. und wie sie bemerkten, dass sie sich nicht voreinander fürchten mussten. und wie immer mehr wesen wagten, ihre herzen zu öffnen und ihre wärme zu teilen. das mädchen träumte davon, wie es dann ganz warm wurde unter diesen wesen und all die kälte und grausamkeit aus dieser welt wich. es träumte davon, wie diese wesen einander zuhörten, miteinander sprachen und einander verstehen und später auch einander lieben lernten. es träumte davon, wie diese liebe die welt dieser wesen, von denen sie träumte, so sehr erwärmte, dass es licht wurde.
Aber dann öffnete das kleine Mädchen mit dem reinen Herzen seine Augen wieder und musste erkennen, dass es kalt war in seiner Welt. Kalt und dunkel war seine Welt. Und das kleine Mädchen verstand, dass es auf der Erde geboren worden war. Da schloss das kleine Mädchen, das sein reines Herz und die Liebe darin zu schützen suchte, wieder seine Augen und weinte ein paar Tränen über seinen Traum. Es wusste nicht, dass auch all die anderen Menschen in dieser grausamen, in Nacht und Kälte gehüllten Welt diesen Traum mit ihm teilten.

[Leyla Moon (2015). Das Leben spricht zu mir - Ein Mut-Mach-Buch.]

 

Das Glück erkennen

Ein junger Mann fand, er habe zu wenig Glück im Leben und beschloss, Gott aufzusuchen, um ihn zu bitten, das zu ändern. Man sagte ihm, Gott wohne in der Tiefe eines großen Waldes, und so machte er sich auf den Weg.
Am Waldrand traf er einen Wolf. "Junger Mann, wohin gehst du?", rief der Wolf. "Zu Gott, damit er einen Glückspilz aus mir macht", antwortete der junge Mann. "Wenn du Gott siehst", sagte der Wolf, "frag ihn doch, warum ich immer solchen Hunger habe." "Mache ich", versprach der junge Mann und ging weiter.
Als er ein Stück durch den Wald gegangen war, kam er an einer schönen jungen Frau vorbei, die traurig an einem Fluss saß. Sie rief ihn zu sich: "Junger Mann, wohin gehst du?" "Zu Gott, damit er einen Glückspilz aus mir macht", antwortete der junge Mann. "Wenn du ihn siehst, frag ihn doch bitte, warum ich immer so unglücklich bin", bat die junge Frau. "Ich frage ihn", sagte der junge Mann unnd setzte seinen Weg fort.
Nach einer Weile hörte er wiederum eine Stimme, die ihn rief. Sie kam von einem Baum, der in der Nähe des Flusses stand: "Junger Mann, wohin gehst du?" "Zu Gott, damit er einen Glückspilz aus mir macht", antwortete er. "Wenn du ihn siehst, frag ihn bitte, warum ich immer so durstig bin", bat der Baum. "Geht in Ordnung", sagte der junge Mann und ging weiter.
In der Mitte des Waldes traf der junge Mann Gott. "Gott", sagte er, "ich möchte, das du einen Glückspilz aus mir machst. Mein ganzes Leben lang habe ich Pech gehabt. Zur Abwechslung könnte ich etwas Glück gebrauchen." ...

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"Okay", sagte Gott, "so sei es."
Bevor der junge Mann sich wieder auf den Rückweg machte, stellte er Gott die Fragen der drei, die er unterwegs getroffen hatte. Dann eilte er zurück, um sein neues Leben zu beginnen. In seiner Aufregung lief er an dem Baum vorbei, aber der rief ihn: "Junger Mann, was ist mit meiner Frage?" "Ach ja, Gott sagte, du bekommst nicht genug Wasser, weil zwischen deinen Wurzeln und dem Fluss ein vergrabener Schatz liegt. Aber ich kann mich nicht länger mit dir unterhalten, denn ich habe es eilig. Ich bin jetzt ein Glückspilz!"
Er rannte weiter, und als er an der jungen schönen Frau vorbei kam, rief sie: "Junger Mann, was ist mit meiner Frage?" "Ach ja", rief er im Laufen zurück, "Gott sagte, du bist so unglücklich, weil du einsam bist. Er sagte, dass ein gutaussehender Mann hier vorbeikommen würde und sich in euch verlieben wird und ihr glücklich leben könntet bis ans Ende eurer Tage. Aber nun muss ich schnell weiter, ich habe jetzt Glück, und mein neues Leben wartet!"
Als er aus dem Wald gelaufen kam, rief der Wolf ihm zu: "Junger Mann, was ist mit meiner Frage?" "Ach ja", antwortete der junge Mann, "Gott sagte, du bist so hungrig, weil du nicht genug zu fressen hast. Doch falls der Narr weit genug kommt, um dir das auszurichten, kannst du ihn zum Mittagessen haben."

[Kambiz Poostchi (Hrsg.) (2013). Goldene Äpfel. Spiegelbilder des Lebens (5.Auflage). Petersberg: Verlag Via nova. S.94-95]

 

Dornröschen

Nach vielen Jahren des Schlafes wacht Dornröschen auf, aber es steht niemand da, der sie retten will. So schläft sie wieder ein. Jahre vergehen und sie wacht wieder auf. Sie schaut nach links, nach rechts, nach oben, aber wiederum ist niemand da ...

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weder ein Prinz noch ein Mann mit einer Heckenschere ausgerüstet. Und sie schläft weiter. Schließlich wacht sie zum dritten Mal auf. Sie öffnet ihre schönen Augen und sieht wiederum niemanden. Da sagt sie zu sich selbst: "Jetzt reicht's!". Sie steht auf und ist erlöst. 

[Kambiz Poostchi (Hrsg.) (2013). Goldene Äpfel. Spiegelbilder des Lebens (5.Auflage). Petersberg: Verlag Via nova. S.17]