Immer ein Weg - Marion Bleckenwegner

Eine "Es-war-einmal"-Geschichte

ES WAR EINMAL VOR LANGER, LANGER ZEIT AN EINEM FREMDEN ORT, GANZ WEIT WEG VON HIER ein kleines Mädchen, das hatte einen Traum. Das kleine Mädchen, das einen Traum hatte, hatte auch ein reines Herz, in dem es sehr viel Liebe verborgen hatte. Dieses reine Herz, in dem dieses kleine Mädchen, das einen Traum hatte, sehr viel Liebe verborgen hatte, versuchte das kleine Mädchen vor der Kälte und Grausamkeit der Welt, in der es leben musste, zu schützen. Denn die Welt in der es leben musste, war eine grausame, das ganze Jahr über in Kälte und Dunkelheit gehüllte. Die Dunkelheit, in die sie gehüllt war, verging weder tags noch nachts; und so irrten die Wesen, die in dieser Welt lebten, ziellos umher. Und die Wesen, die umherirrten, sprachen nicht miteinander, weil sie einander nicht sehen konnten und sich deshalb voreinander fürchteten. Und weil sie nicht miteinander sprachen, entstand keine Wärme unter ihnen, denn sie wagten sich nicht in die Nähe, geschweigedenn in die Arme der anderen. Und so blieb es eisig kalt in dieser Welt. Doch das kleine Mädchen mit dem reinen Herzen, in dem Liebe sich verborgen hatte, träumte weiter seinen Traum.
es träumte von einer welt, in der es wesen gab, die einander berührten, die einander in den arm nahmen, die die anderen in ihrer angst trösteten...

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es träumte von einer welt, in der die unter der kälte und grausamkeit ihrer welt leidenden wesen einander wärme spendeten. es träumte davon, wie die wesen anfingen miteinander zu sprechen. wie die wesen bemerkten, dass sie einander gar nicht so fremd waren, wie sie sie immer gedacht hatten. und wie sie bemerkten, dass sie sich nicht voreinander fürchten mussten. und wie immer mehr wesen wagten, ihre herzen zu öffnen und ihre wärme zu teilen. das mädchen träumte davon, wie es dann ganz warm wurde unter diesen wesen und all die kälte und grausamkeit aus dieser welt wich. es träumte davon, wie diese wesen einander zuhörten, miteinander sprachen und einander verstehen und später auch einander lieben lernten. es träumte davon, wie diese liebe die welt dieser wesen, von denen sie träumte, so sehr erwärmte, dass es licht wurde.
Aber dann öffnete das kleine Mädchen mit dem reinen Herzen seine Augen wieder und musste erkennen, dass es kalt war in seiner Welt. Kalt und dunkel war seine Welt. Und das kleine Mädchen verstand, dass es auf der Erde geboren worden war. Da schloss das kleine Mädchen, das sein reines Herz und die Liebe darin zu schützen suchte, wieder seine Augen und weinte ein paar Tränen über seinen Traum. Es wusste nicht, dass auch all die anderen Menschen in dieser grausamen, in Nacht und Kälte gehüllten Welt diesen Traum mit ihm teilten.

[Leyla Moon (2015). Das Leben spricht zu mir - Ein Mut-Mach-Buch.]